Diamonds are a girl’s best friend singt Marilyn Monroe sehr überzeugend in “Wie angelt man sich einen Millionär”. Nach Lektüre von Katrin Kazubkos und Tamara Trautners “Perlen - Das Putzfrauenbuch” möchte ich dem entschieden widersprechen: Perlen statt Diamanten!
Sicher, in einem Hollywoodfilm von 90 Minuten Länge muß nicht unbedingt geputzt werden; da haben die Heldinnen meist andere Probleme zu lösen. Im gewöhnlichen schnöden Leben bleibt das allerdings nicht aus. Diejenigen unter uns, die das Putzen weder als Ventil, Meditation oder sonstige angenehme Ersatzbefriedigung betrachten, wissen, was eine echte Perle wert ist.
Aber wie eine finden? Eine, die die Dinge zu unserer Zufriedenheit erledigt, möglichst telepathisch weiß, was wir uns wünschen, zuverlässig, ehrlich, verschwiegen und überhaupt alles ist? Gibt es solche Wunderfrauen überhaupt?
Kazubko und Trautner haben ein sehr informatives, unterhaltsames und hilfreiches Buch zu diesem Thema geschrieben. Nach einem historischen Überblick (”Vom Gesinde zum Bodenkosmetiker” - hm, hätte das nicht Kosmetikerin heißen müssen?) erfahren wir jede Menge über Schmutz, und ein Test sagt uns, welcher Putztyp wir sind. Das hilft dabei, uns über unsere Ansprüche klarzuwerden, damit es dann auch klappt mit der Perle. Denn was die “Schmutzgeber” gern vergessen ist, daß ihre “Schmutznehmer” Menschen mit eigenen Ordnungs- und Reinlichkeitsvorstellungen sind - ob das der Knick im Kissen ist oder die Frage, wie oft Fenster geputzt werden müssen. Es gibt Tips zur konstruktiven Kritik und auch zur legalen Beschäftigung von Haushaltshilfen (z. B. ein Mustervertrag).
Nach der Lektüre weiß ich zwar nicht, wie man Perlen reinigt, aber daß eine gute Perle ein echtes “Goldstück” ist. Oder so.
Katrin Kazubko, Tamara Trautner: “»Perlen« Das Putzfrauenbuch.” Mosaik bei Goldmann, 2005, z. Zt. nur antiquarisch ab 0,01 €.